Wer noch mit dem Wendener Platt aufgewachsen ist, weiß, dass seine „zweite“ Muttersprache bereits seit den 1950er Jahren mehr und mehr ins Abseits geriet. Diese nicht nur im Wendener Land, sondern bei zahlreichen, vor allem niederdeutschen und weniger bei mittel- und oberdeutschen Dialekten zu beobachtende Entwicklung hat vielschichtige Ursachen, die in der folgenden Einleitung noch ausführlicher beschrieben werden. So beschränkt sich der Gebrauch des Wendener Platt als Alltagssprache heute weitestgehend auf die ältere, „alteingesessene“ Bevölkerung; hingegen versteht die mittlere Generation zwar teilweise Plattdeutsch, spricht die Mundart jedoch nur noch selten oder lückenhaft, und Kinder und Jugendliche erfahren allenfalls vereinzelt Berührungspunkte zum Wendener Platt. Dessen muttersprachlicher Erwerb, der früher in der Familie, war, ist daher seit Jahrzehnten praktisch zum Erliegen gekommen.
Wie kann mit Rücksicht auf diesen Befund reagiert werden, wird es gelingen, der Wendener Mundart über bloße Nostalgieerfahrung hinaus (Nostalgie als „Sehnsucht nach Vergangenem“) wieder eine Stimme zu geben?
Positiv lässt sich feststellen, dass der ursprünglich weitgehend kritik- und teilnahmslos hingenommene Dialektrückzug zunehmend als Verlust erhaltenswerten Kulturguts empfunden wird. Um dem endgültigen, nicht mehr umkehrbaren Rückgang zu begegnen, wurden vielerorts mundartliche Gesprächs- und Erzählrunden gegründet, Geschichten, Anekdoten und Gedichte im Dialektformat verfasst, Theaterstücke aufgeführt, Projekte zur Mundartforschung ins Leben gerufen, Dialektwörterbücher und Dialektlandkarten erarbeitet sowie Sprachbeispiele per Tonaufzeichnung dokumentiert. Hierzu gibt es auch im Wendener Land Initiativen, die es zu unterstützen gilt ebenso wie das offenbar wieder vorhandene Interesse junger Menschen, mehr über das Wendener Platt zu erfahren und bereits erworbene Kenntnisse zu vertiefen; namentlich zu erwähnen ist hier das aktuelle gemeindliche Projekt „Wendsch Platt“ u.a. mit regelmäßigen Treffen (Stammtischen) Gleichgesinnter. Insgesamt sehen wir hier noch viel „Luft nach oben“.
In diese Bemühungen möchte sich das „Wendener plattdeutsche Wörterbuch“ einreihen, verbunden mit dem Wunsch des Verfassers, zum Erhalt unserer schönen Mundart beitragen zu können. Dabei wird das Ziel verfolgt, den Zugang zum Wendener Platt durch möglichst verständliche Aussprachehinweise und die Erläuterung grammatikalischer Besonderheiten, die jeweils um Wort- und Satzbeispiele ergänzt werden, zu erleichtern. Dem gleichen Ziel dient die Erklärung von Lebensgewohnheiten, zumal solcher aus der alten Haus-, Land- und Forstwirtschaft sowie des örtlichen Brauchtums, die vielfach in Vergessenheit geraten sind.












