Was ich zu den Sagen sage? Anfangs war ich unsicher, eher skeptisch, etwas fremdelnd. Aus dem Märchenalter bin ich heraus. Dann stieg von Seite zu Seite die Neugier, das Wundern. Ich habe mich festgelesen, bitte nicht stören! Noch leicht erschöpft von all den bösen und guten Geistern, den Werwölfen, weißen Frauen, Frommfrauen, Zwergen, Hollen und finsteren Mächtigen ist mein Fazit klar wie Ruhrwasser an der Quelle: Gäbe es nicht diese zum Lesevergnügen werdende Sagen-Arbeit, müsste sich dringend jemand des Geschichten-Schatzes annehmen. Da steckt Erstaunliches drin, wie in fast jeder Sage ein von Zaubergespinst umwobener wahrer Kern zu finden ist. Sonst würde ich nicht das hohe Lied der rätselhaften Ereignisse und des schönen Gruselns singen. Schreiben schon gar nicht.
Meine Empfehlung zum Weitersagen: Lasst Euch von diesem Buch überraschen! Ein möglicher Ermüdungs-Eindruck ob des wiederkehrend schlimmen Geschehens jenseits unseres Vorstellungsvermögens weicht bald dem Lesegenuss der bösen Taten und ihrer wundersamen Folgen. Verbunden mit der erfreulichen Erkenntnis, ein Stück schlauer zu werden. Wer bisher nur vage die Geschichte dieser geschichtenreichen Region im Hinterkopf hatte, erfährt beim Schaudern und Wundern jede Menge Wissenswertes. Ach, so war das! Oha, da war es, in echt! Hier wird Heimatkunde im besten Sinne quasi durch die Geistertür vermittelt. Gibt es eigentlich noch Heimatkunde in der Schule? Mein Tipp: Lesen bildet!
Womit ich bei Franken und Sachsen, bei Kaiser Karl und Herzog Wittekind wäre, deren kriegerisches Wirken großen Einfluss auf wahre und fast wahre Erzählungen hatte, die einst am Ofen, beim Schankwirt und unter Klosterbrüdern weitergegeben wurden. Man hatte es schließlich von Bekannten der Magd des unglücklichen Bauern so gehört.
Wer irrtümlich ein bis ins Detail ausgefeiltes Hochbuch erlesener Buchkultur für Intellektuelle erwartet, sollte sich nicht grämen. Er erhält wunderbare Beispiele der Sprech-, Schreib- und Denkweise früherer Generationen an der Ruhr. Authentisch statt ausgeklügelt, Mitunter schlicht, meistens gut. Man taucht ein in die Welt der Sagen und des ewigen Kampfes um Brot und Liebe, um leben in Frieden und Überleben. Dass die Elle der Zeit über den ganzen Lauf der Ruhr gelegt wird, macht den besonderen Reiz aus.
Kommen wir zu den Fakten, soweit man das so sagen darf. Einige Spökenkieker, die Seher mit dem zweiten Gesicht, haben es bei frohem Familien leben im Sauerland warnend vorhergesehen: Das wird ein böses Ende nehmen! Drehbuchschreiber für Herzschmerz-Serien im Fernsehen könnten die unheimlichen Schicksalsschläge nicht besser erfinden. Unglaublich, welche sagenhaften Schätze entlang des Flusses unter der Erde verborgen sind. Nur gut, dass Trump noch nichts vom puren Gold im HSK weiß.
Bodo Zapp











